Weiterbildung, Entwicklung und angewandte Forschung treffen in Patras, Griechenland, aufeinander: Auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern hat die Teaching Factory ein Kompetenzzentrum errichtet, in dem sich Ingenieure, Produktionsverantwortliche und -mitarbeiter praxisnah mit digitalen Fertigungsstechnologien und Industrie-4.0-Anwendungen vertraut machen können. Dabei geht es nicht nur um Theorie, sondern um reale Szenarien, die aus dem konkreten Bedarf von Unternehmen entstehen und direkt vor Ort erprobt werden.
Die praxisnahen Anwendungsszenarien sind das Herzstück des Konzepts. Sie wurden vielfach im Rahmen nationaler und europäischer Forschungs- und Kooperationsprojekte entwickelt und werden kontinuierlich gemeinsam mit Industriepartnern weiter ausgebaut. Die Teaching Factory ist eine industrieorientierte Organisation, die aus sieben Unternehmen besteht, darunter Akteure aus der Stahlindustrie, der Robotik, eine Forschungsorganisation sowie Systemintegratoren. Aus ihren spezifischen Herausforderungen entstehen Anwendungsfälle, die in der Teaching Factory in kollaborative Robotersysteme, digitale Zwillinge, Virtual-Reality-Trainingsumgebungen oder KI-basierte Assistenzlösungen übersetzt werden. „Auch Large Language Models kommen zum Einsatz, etwa um die Interaktion zwischen Bedienpersonal und Maschine intuitiver zu gestalten und die Sicherheit sowie Effizienz in der Produktion zu erhöhen“, erklärt der Key Account Operations Manager Charalampos Kouros.
Kooperation mit Universität
In enger Kooperation mit der Universität Patras und insbesondere dem Labor für Fertigungssysteme und Automatisierung, fungiert die Teaching Factory als Brücke zwischen Forschung und industrieller Umsetzung. Viele der Partnerschaften sind aus EU- und national geförderten Projekten hervorgegangen. Die großflächige Infrastruktur der Teaching Factory bietet dabei Möglichkeiten, die im universitären Kontext allein nur schwer abzubilden wären. „Umgekehrt profitieren Unternehmen vom direkten Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen und methodischer Expertise“, so Kouros.
Im Zentrum steht der Wissens- und Technologietransfer. Mitarbeitende aus Industrieunternehmen arbeiten gemeinsam mit Experten an konkreten Projekten, sammeln praktische Erfahrung mit automatisierten Systemen und tragen dieses Know-how zurück in ihre Betriebe. „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die häufig vor hohen Investitionshürden oder fehlendem Zugang zu neuen Technologien stehen, entsteht so ein niedrigschwelliger Einstieg in Robotik, KI und digitale Produktionsprozesse“, erklärt Kouros.
Ausweitung auf den deutschsprachigen Raum
Mit dem Auftritt auf der XPONENTIAL Europe sucht das Unternehmen nun gezielt den Austausch mit Partnern im deutschsprachigen Raum. Die Beteiligung am Gemeinschaftsstand des Fachverbands für Mikrotechnik (IVAM) ist für das Unternehmen der Beginn einer Internationalisierungsstrategie, die über Projektkooperationen hinausgeht. Perspektivisch ist der Aufbau einer Niederlassung in Deutschland geplant.
Inhaltlich passt das Profil der Teaching Factory nahtlos in das Themenumfeld der XPONENTIAL Europe. Autonome mobile Roboter, kollaborative Anwendungen in der Montage, digitale Zwillinge als Enabler für flexible Produktionssysteme – zahlreiche aktuelle Projekte adressieren genau jene Schnittstellen zwischen Robotik, Autonomie und industrieller Anwendung, die auch auf der Messe im Fokus stehen.
Im Dialog mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologieanbietern möchte die Teaching Factory nun ausloten, wo sich gemeinsame Projekte, neue Demonstratoren und nachhaltige Weiterbildungsformate entwickeln lassen. Die Teaching Factory bringt dafür nicht nur Infrastruktur und Projekterfahrung mit, sondern ein klares Selbstverständnis. Kouros: „Technologie wird dann wirksam, wenn sie erlebbar wird – und wenn Menschen befähigt werden, sie souverän in ihre Produktionsrealität zu integrieren.“
Autorin: Sonja Buske