XPONENTIAL Europe 2027:
Wachstum, Investitionen und neue Schwerpunkte
Im Interview spricht Malte Seifert, Director Metals & Autonomous Technologies bei der Messe Düsseldorf, über die Positionierung der Messe, den Hallenausbau für 2027 und die wachsende Bedeutung von Start-ups und internationalen Investoren.
Deutschland als Technologiestandort: Unterschätzt?
Helsing-Gründer Gundbert Scherf – dessen Rüstungs-Start-up mit 18 Milliarden Euro bewertet wird – sagt, Menschen würden die Zukunft zu oft aus der Gegenwart heraus beurteilen und lägen deshalb oft daneben. Wie schätzen Sie die Zukunft der Branche ein?
Malte Seifert: Deutschland und Europa haben eine starke Basis an Start-ups und High-Tech-Unternehmen wie Helsing, Quantum Systems und Germandrones – sie widerlegen die Erzählung vom abgehängten Standort. Hinzu kommen Schwergewichte wie Rheinmetall und KNDS, beide mit breitem Portfolio unbemannter Systeme auf der XPONENTIAL Europe vertreten.
Auch zivile Cluster in autonomer Mobilität und New Space zählen international zu den First Movern. Wir sollten aufhören, unseren Innovationsstandort schlechterzureden, als er ist – international beneidet man uns um Institutionen wie die RWTH Aachen, das DLR und die Fraunhofer-Institute. Genau diese Breite bildet auch das Fundament der XPONENTIAL Europe.
Start-ups und Investoren
Laut FCF Fox Corporate Finance fließen 2026 über 5,1 Milliarden Euro in europäische Defense-Start-ups. Wie bildet sich dieser Kapitalzufluss auf der XPONENTIAL Europe ab?
Malte Seifert: Seit 2022 haben sich die Investitionen in europäische Defense-Start-ups verzehnfacht. Die XPONENTIAL Europe verstehen wir von Beginn an als Inkubator für Innovation und Investition. Mit dem XPO+ Launcher bieten wir jungen Unternehmen eine eigene Area, um auszustellen, sich mit Branchenführern zu vernetzen und um den XPO+ Launcher Award anzutreten – ein ideales Sprungbrett zum Markteintritt, das gleichzeitig als Technologie-Lab und Finanzierungs-Ökosystem funktioniert.
Die Dimension der US-Tech-Giganten
Welche Rolle spielen neben der europäischen Szene auch die großen US-Tech-Konzerne für die Branche?
Malte Seifert: Konzerne wie SpaceX, Google, Microsoft und Amazon investieren massiv und treiben die Disruption weltweit voran – in New Space, Mobilität und Logistik. Autonome Systeme werden unseren Alltag verändern: Amazon Prime Air plant bis zu 500 Millionen Drohnenlieferungen in drei Jahren, Waymo-Robotaxis haben in San Francisco über 320 Millionen Kilometer weitgehend unfallfrei zurückgelegt, und Häfen wie Singapur steuern ihre Logistik längst KI-gestützt. Als Messemacher freut es mich, dass Amazon und Zulieferer solcher Projekte auf der XPONENTIAL Europe und in unseren Messebeiräten vertreten sind.
Keine Rüstungsmesse: Der Balanceakt zwischen Verteidigung und ziviler Anwendung
Rüstungsmessen waren in Deutschland lange tabu – erst seit dem russischen Angriffskrieg hat sich das geändert. Wie geht die Messe Düsseldorf mit diesem Wandel um?
Malte Seifert: Die XPONENTIAL Europe war nie eine Rüstungsmesse. Im ersten Jahr ging es darum, uns vom Drohnenmessen-Image zu einer Messe für autonome Mobilität zu entwickeln; im zweiten Jahr darum, Verteidigung und den Schutz kritischer Infrastruktur im Kontext von Dual-Use-Technologien einzuordnen. Neben Verteidigung und Perimeterschutz zählen Land- und Forstwirtschaft, Logistik und Mobilität zu unseren größten Besuchergruppen. Diese Balance zu halten bleibt zentral für nachhaltiges Wachstum.
Eine zusätzliche Halle für 2027: Was Besucher erwartet
2027 bezieht die XPONENTIAL Europe erstmals eine zusätzliche Messehalle. Was steckt dahinter?
Malte Seifert: Kaum ein Messethema steht derzeit so im Fokus von Politik, Industrie und Medien wie unsere Inhalte – von Verteidigung und Cybersicherheit bis zu autonomer Mobilität und Logistik. Die XPONENTIAL Europe gibt diesem fragmentierten Markt einen Rahmen für skalierbare Lösungen und bringt Industrie, Regulierungsbehörden und Politik zusammen.
Deshalb wachsen wir gezielt: mehr Fläche für internationale Unternehmen, ein erweitertes Themenspektrum und neue Schwerpunkte zu mariner Autonomie, Quantentechnologie und KI. Bewährt hat sich dabei die enge Verzahnung mit Partnerformaten wie dem European Drone Forum (mit UAV DACH e.V.) und dem German Defence and Innovation Forum mit der Bundeswehr – 2026 kamen Delegationen aus 61 Nationen. Diesen Kurs setzen wir fort.