Wie stark die Drohnengefahr an deutschen Flughäfen wirklich zugenommen hat
Die Zahlen im Überblick
Die Zahlen zeigen, wie sehr sich die Bedrohungslage verschärft hat: Laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – das im August 2026 ein eigenes Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet hat – wurden 2025 an 25 deutschen Flughäfen 116 relevante Drohnen-Störfälle registriert. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) zählte bundesweit sogar 227 drohnenbedingte Behinderungen im Luftraum. Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen bereits 166 weitere Vorfälle hinzu.
Als Reaktion hat die Innenministerkonferenz beschlossen, acht zentrale deutsche Verkehrsflughäfen mit stationären Drohnendetektions- und -abwehranlagen auszustatten. Parallel baut die Bundespolizei eine eigene Drohnenabwehreinheit auf, unterstützt durch ein neu eröffnetes Drohnenabwehrzentrum.
Wer im Ernstfall eingreifen darf – und wo die Lücke liegt
Ungeklärt bleibt dabei eine zentrale rechtliche Frage: Wer darf im Ernstfall den Abschuss einer Drohne über einem Flughafen anordnen – und unter welchen Voraussetzungen? Aktive Gegenmaßnahmen wie RF-Jamming, GPS-Spoofing oder die physische Neutralisierung sind bislang ausschließlich Polizei, Bundeswehr und Nachrichtendiensten vorbehalten. Private Flughafenbetreiber können Drohnen zwar detektieren und Alarm auslösen, aber nicht selbst aktiv eingreifen. Diese Schutzlücke soll nun über die Reform von Bundespolizeigesetz und Luftsicherheitsgesetz geschlossen werden.
XPONENTIAL Europe:
Treffpunkt für Sicherheitsindustrie und Politik
Wie eng Perimeterschutz, Sicherheitsindustrie, Drohnenabwehr und U-Space mittlerweile zusammenhängen, zeigte sich auf der XPONENTIAL Europe 2026, der europäischen Leitmesse für autonome Technologien und Robotik in Düsseldorf. Im Rahmen der Messe findet u. a. das European Drone Forum statt, Europas führende Fachkonferenz für unbemannte Luftfahrt.
Politischer Rückenwind für das U-Space-Gesetz
Als Schirmherr der Messe kündigte der damalige Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im März 2026 an, das Gesetz zur Einführung von U-Space zügig voranzutreiben – mit dem Ziel, dass Deutschland als erster EU-Mitgliedstaat über ein eigenständiges U-Space-Gesetz verfügt. Auf dieser Grundlage sollen künftig Lufträume definiert werden, in denen bemannter und unbemannter Luftverkehr koordiniert nebeneinander stattfinden kann. Schnieder betonte dabei, dass automatisierte Systeme zur Luftraumüberwachung und stabile Kommunikationssysteme Voraussetzung für digital gesteuerte Luftfahrzeuge seien – Sicherheit also von Anfang an mitgedacht werden müsse.
Sein Nachfolger Steffen Bilger verfolgt denselben Kurs und kündigte an, die Ausrüstung der Flughäfen mit Detektions- und Abwehrtechnik zu beschleunigen. Das auf der XPONENTIAL Europe angekündigte U-Space-Gesetz liegt inzwischen in seiner Verantwortung – und trifft, wie der Vorfall von Leipzig/Halle gezeigt hat, auf eine Sicherheitsdebatte, die seit dem Frühjahr spürbar an Schärfe gewonnen hat.
Stimme aus der Messe: Malte Seifert im O-Ton
Malte Seifert, Director der XPONENTIAL Europe, bringt die Rolle der Messe als wichtiger Treiber der Entwicklung so auf den Punkt: „Wer die Entwicklungen in Europa in technologischer, regulatorischer und sicherheitspolitischer Hinsicht verstehen will, findet auf der XPONENTIAL Europe die Unternehmen, Behörden, Regulatoren, Forschungseinrichtungen, Streitkräfte und Anwender, die diese Fragen diskutieren. Hier findet der Dialog statt und hier werden Lösungen präsentiert und diskutiert.“
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