In Katastrophenfällen mit Drohnen schneller und effizienter helfen
Ein DLR-Projekt soll dazu beitragen, Rettungsmaßnahmen besser zu koordinieren
Mit teilautonomen Systemen wie dem teleoperierten Spezialfahrzeug SHERP – hier bei einer Übung im Rahmen des AHEAD-Projekts (Autonomous Humanitarian Emergency Aid Devices) im Sommer 2024 | Foto: DLR
Die Hitzewelle Ende Juni hat die Waldbrandgefahr in ganz Europa in die Höhe schnellen lassen. In Venezuela sind die Menschen nach dem verheerenden Erdbeben weiterhin auf jede Hilfe angewiesen, die sie erhalten können. Und in den USA hat die Tornado-Saison begonnen. Um besser mit Naturkatastrophen und Extremwettereignissen fertig zu werden, kommen verstärkt Drohnen zum Einsatz. Nicht zuletzt, um sich ein Bild der Lage zu machen und Präventions- und gegebenenfalls Rettungsmaßnahmen besser koordinieren zu können.
In Unglücks- und Katastrophenfällen ist die Hilfsbereitschaft in der Regel groß. Neben den professionellen Rettungskräften aus Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk fanden sich beispielsweise bei der Flut im Ahrtal schnell Hunderte, wenn nicht gar Tausende freiwillige Helfer ein, um den Menschen in Not zur Seite zu stehen. In einer solchen Ausnahmesituation den Überblick zu behalten, ist fast unmöglich. Gleichzeitig kommt es jedoch auf schnelles und effizientes Handeln an. Zum einen, um die unmittelbaren Folgen der Katastrophe zu lindern. Zum anderen, um die Retterinnen und Retter vor vermeidbaren Gefahren für Leib und Leben zu bewahren.
Drohnen sind sowohl Helfer als auch Herausforderung
Aus den unzähligen Informationen und Daten die entscheidenden Erkenntnisse sowie ein ebenso zutreffendes wie konstantes Lagebild zu destillieren, ist von essenzieller Bedeutung. Unbemannte Systeme haben an dieser Stelle zum einen ganz neue Möglichkeiten geschaffen, buchstäblich den Überblick zu behalten. Gleichzeitig tragen sie aufgrund der Menge an generierten Daten dazu bei, die Erstellung eines Lagebilds noch komplexer zu machen.
Doch als sei es noch nicht herausfordernd genug, die Daten aus den verschiedenen Quellen – von UAS und Helikoptern über bemannte sowie unbemannte Land- und Wasserfahrzeuge bis hin zu Satellitendaten – zusammenzuführen, müssen gleichzeitig bereits adäquate Hilfsmaßnahmen koordiniert und eine funktionsfähige Kommunikations- und Versorgungsinfrastruktur implementiert werden. Dafür ist dann ihrerseits der Einsatz unterschiedlicher, nicht selten unbemannter Systeme erforderlich. Im Projekt RESITEK (Resiliente Technologien für den Katastrophenschutz) widmen sich insgesamt 16 Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt der Entwicklung einer modularen, stetig erweiterbaren Daten- und Visualisierungsplattform, die ein kontinuierliches Lagemonitoring sowie eine optimierte Einsatzplanung und -überwachung ermöglichen soll. Das Ziel ist es, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in die Lage zu versetzen, im Ernstfall bestmöglich zu reagieren.
Große Übung unter realistischen Bedingungen – ausgerechnet im Ahrtal
Da man geografische Herausforderungen kaum theoretisch simulieren kann, fand kürzlich eine großangelegte Übung zum Umgang mit den Folgen eines extremen Starkregenereignisses statt. Und das ausgerechnet im Ahrtal, wo sich vor fast genau fünf Jahren nach tagelangen Regenfällen eine der größten Naturkatastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte ereignet hatte. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Nutzung von Drohnen in der Luft und am Boden. Mit Hilfe von Satellitendaten, Drohnenflügen und Erkundungsmissionen mit zum Teil teleoperierten unbemannten Fahrzeugen wurde getestet, wie schnell und großflächig Informationen gesammelt und in eine Lageburteilung überführt werden können. Zusätzlich wurde ein lokales Kommunikationssystem aufgebaut, über das Einsatzkräfte Informationen austauschen konnten. „RESITEK zeigt, wie moderne Technologien den Katastrophenschutz stärken können. Entscheidend ist dabei nicht nur die Leistung einzelner Systeme, sondern ihr Zusammenspiel“, bilanzierte Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt nach Abschluss der erfolgreichen Simulation der Folgen einen Starkregenereignisses. Für den Herbst ist in der Region Braunschweig eine Übung geplant, um den Umgang mit den Folgen eines verheerenden Herbststurms zu üben.
Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Drones, dem Fachmagazin mit Insights for the Uncrewed Future.