Sensoren, Kameras und KI
Ein zentrales Merkmal moderner Soft Robotic Suits ist ihre konsequente Nutzerzentrierung. Inertiale Sensoren erfassen kontinuierlich das individuelle Gangmuster und die Steuerung passt die Unterstützung in Echtzeit an. Der Exosuit gibt keine Bewegung vor, sondern verstärkt ausschließlich die vom Nutzer initiierte Aktivität. Der Nutzer ist selbst aktiv und bestimmt das Tempo. Die Suits integrieren zunehmend künstliche Intelligenz und Umweltsensorik. Kamerabasierte Systeme ermöglichen es, die Umgebung zu erkennen, wie zum Beispiel Treppen, Steigungen oder Hindernisse, und die Unterstützungsstrategie automatisch anzupassen. Der Nutzer muss nicht aktiv eingreifen, was insbesondere in komplexen oder ungewohnten Umgebungen zur Sturzprävention beitragen kann.
Langfristig wird auch der Einsatz gezielter Gangperturbationen diskutiert, um Reaktionsfähigkeit und Gleichgewicht zu trainieren. Damit verschiebt sich der Fokus von reiner Assistenz hin zu aktiver Prävention.
Dieses Prinzip ist insbesondere für den Einsatz im Alltag und in der geriatrischen Versorgung entscheidend. Die Anwender behalten jederzeit die Kontrolle über ihre Bewegung. Das System wird nicht als Fremdkörper wahrgenommen, sondern als unterstützende Erweiterung der eigenen körperlichen Fähigkeiten. Da sorgt für mehr Akzeptanz und ist für die langfristige Nutzung entscheidend.
Evidenz aus dem realen Alltag
Die Wirksamkeit weicher Exosuits wurde sowohl im Labor als auch unter realen Alltagsbedingungen untersucht. Studien mit älteren Personen im Alter von 67 bis 82 Jahren zeigten, dass die Soft Robotic Shorts den Energieverbrauch beim Gehen deutlich senken. Die Teilnehmenden benötigten weniger Energie für die gleiche Strecke, ohne dass sich Gelenkbeweglichkeit oder Gangmuster unphysiologisch veränderten.
Subjektiv berichteten die Nutzer über ein hohes Maß an Sicherheit, Komfort und Bewegungsfreiheit. Zudem wurde die Unterstützung als intuitiv und angenehm beschrieben.
Unterstützung bei alltäglichen Übergängen
Neben dem Gehen rücken auch alltägliche Bewegungsübergänge in den Fokus, etwa das Aufstehen aus dem Sitzen. Studien zeigen, dass Soft Robotic Suits die Aufstehzeit verkürzen, die aufgebrachte Muskelkraft erhöhen und gleichzeitig die metabolische Belastung reduzieren. Gerade solche scheinbar kleinen Bewegungen entscheiden oft darüber, wie selbstständig jemand im Alltag bleibt. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für den Einsatz in der häuslichen Umgebung, in der Rehabilitation oder in präventiven Trainingsprogrammen.
Schnittstelle zwischen Healthcare und Hightech
Soft Robotic Suits sind kein Ersatz für Training, Physiotherapie oder klassische Hilfsmittel. Sie verstehen sich vielmehr als ergänzende Maßnahme zur Förderung von Aktivität, insbesondere in Phasen reduzierter Belastbarkeit, nach akuten Erkrankungen oder bei chronischer Erschöpfung.
Aktuell werden Soft Robotic Suits auch bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, bei Herzinsuffizienz sowie zur gezielten Sturzprävention erforscht. Langfristig könnten sie dazu beitragen, Mobilität nicht nur zu erhalten, sondern als aktives therapeutisches Ziel fest im Alltag älterer Menschen zu verankern.
Auf der REHACARE, der internationalen Fachmesse für Rehabilitation und Pflege, stehen Aspekte wie Selbstständigkeit, Alltagstauglichkeit und Versorgungskonzepte im Vordergrund. Die XPONENTIAL Europe wiederum bietet als europäische Leitmesse für autonome Technologien und Robotik eine Plattform, um technologische Innovationen, KI-basierte Steuerung und robotische Systeme im internationalen Kontext zu diskutieren. Beide Veranstaltungen zeigen, wie eng Medizin, Pflege und Hightech inzwischen zusammengerückt sind.
Autorin: Sonja Buske