Die Zahl der Drohnen am Himmel nimmt rasant zu – und mit ihr die Herausforderungen für Sicherheit, Regulierung und Koordination. Experten gehen davon aus, dass in den kommenden fünf bis zehn Jahren täglich rund 10.000 Drohnen über Deutschland fliegen werden, europaweit sogar bis zu 100.000. Was für viele nach Science-Fiction klingt, ist für Dr. Gerald Wissel, Vorstandsvorsitzender des UAV DACH (Europäischer Verband für unbemannte Luftfahrt), eine realistische Erwartung – und ein Grund, jetzt zu handeln.
„Wir brauchen eine nationale Taskforce unter Führung des Innenministeriums, die die erforderlichen Maßnahmen im Bereich Drohnendetektion und -abwehr koordiniert“, so Wissel. Diese Taskforce soll alle relevanten Akteure an einen Tisch bringen – vom Bundesinnen- und Verkehrsministerium über Bundes- sowie Landespolizeien bis hin zum Verteidigungsministerium. „Die Zuständigkeiten sind heute noch stark zersplittert, während der Luftraum sich zunehmend verdichtet.“
Wissel sieht die Branche an einem Wendepunkt: „Wir werden in Zukunft eine enorme Zahl legaler, kommerzieller Drohnen sehen, die für Inspektionen, zur Überwachung kritischer Infrastruktur, bei Feuerwehr- und Polizeieinsätzen oder für medizinische Transporte eingesetzt werden. Hinzu kommen Freizeitdrohnen. Schon heute kann man aus der Distanz nicht unterscheiden, ob eine Drohne legal oder illegal unterwegs ist.“ Sein zentrales Anliegen ist daher die elektronische Sichtbarkeit aller Teilnehmer im unteren Luftraum. Nur wenn jede Drohne eindeutig identifizierbar sei, lasse sich rechtzeitig zwischen legalen kommerziellen Anwendungen und potenziellen Gefahren durch illegal betriebene unbemannte Flugsysteme unterscheiden.
Mehr Sichtbarkeit durch ADS-L
Ein entscheidender Baustein dafür ist laut Wissel das von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) entwickelte ADS-L-System (Automatic Dependent Surveillance Light). Es basiert auf der Technik des aus der bemannten Luftfahrt bekannten ADS-B, ist jedoch leichter, energieeffizienter und deutlich günstiger. „ADS-L kostet rund 400 Euro, nutzt ein anderes Frequenzband und ist stromsparend – ideal für Drohnen“, erklärt Wissel. Ziel sei es, dass künftig keine Drohne mehr starten könne, ohne eindeutig registriert und elektronisch sichtbar zu sein. „Man kann sich das wie ein elektronisches Zündschloss vorstellen“, sagt er. „Die Drohne darf erst abheben, wenn sie ein digitales Zertifikat besitzt – so wie beim Online-Banking mit Identifikationsnachweis.“ Das System soll langfristig für alle Drohnen verbindlich werden – auch für Hobbygeräte und Kleinstdrohnen. Widerstände, etwa von Herstellern, erwartet Wissel durchaus: „Da wird es sicher noch Diskussionen geben, aber alles, was in der Luft ist, muss sichtbar sein. Das ist meine klare Haltung.“
Europäische Regelung in 2-3 Jahren möglich
Die Alternative sei deutlich kostspieliger und riskanter. Ohne eine flächendeckende elektronische Sichtbarkeit und ein bodengebundenes, auf unterschiedlichen Sensortechnologien basierendes Detektionssystem für den unteren Luftraum, könnten legale von illegalen Drohnen bzw. Fluggeräte nicht unterschieden werden. Zudem brauche es eine flächendeckende Stationierung von Polizeidrohnen, die in Echtzeit aufsteigen, um verdächtige Flugobjekte zu identifizieren und im Notfall unschädlich zu machen. Wissel zeigt sich optimistisch: „Wenn alles gut läuft, könnten wir in zwei bis drei Jahren eine verbindliche europäische Regelung haben.“ Ohne einheitliche Regeln und Technologien sieht er die Gefahr, dass der Luftverkehr der Zukunft in nationale Einzellösungen mit unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken zerfällt und vor allem kommerzielle Anwendungen zunehmend eingeschränkt werden.
„Wir brauchen einen integrierten Luftraum. Am Ende ist elektronische Sichtbarkeit die Grundvoraussetzung für Sicherheit – genauso wie ein Nummernschild beim Auto“, betont Wissel.
Die XPONENTIAL Europe ist für Wissel der perfekte Ort sowohl für Hersteller als auch für Anwender von ADS-L-Systemen. Vom 24.-26. März 2026 werden in Düsseldorf Lösungen für Boden- und Radarstationen, KI-Anwendungen für Luftlagebilder, Polizeidrohnen und vieles mehr präsentiert, damit sich alle Interessierten ein Bild von der aktuellen Situation und den Möglichkeiten machen können.
Autorin: Sonja Buske