Seit 2015 regiert in Hamburg eine Koalition aus SPD und Grünen, seit 2020 ist mit Anjes Tjarks der erste grüne Verkehrssenator der Hansestadt im Amt. Gemeinsam treibt der rot-grüne Senat seither die Idee voran, autonome Angebote in den urbanen Mobilitätsmix zu integrieren. Kürzlich startete der technische Testbetrieb mit fahrerlosen HOLON Mover-Kleinbussen von Benteler. Nicht die ersten autonomen Systeme auf den Straßen der Hansestadt.
Bereits im Jahr 2021 wurde in Hamburg ein Kleinbus des Typs EZ10 von EasyMile testweise auf einer knapp 2 Kilometer langen Strecke eingesetzt, um autonome Busfahrten im innerstädtischen Bereich zu erproben. Das HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) genannte Vorhaben war damals eines der Leuchtturmprojekte im Umfeld des World Congress on Intelligent Transport Systems, der vor vier Jahren in der Elbmetropole stattfand.
Fahrerlos vernetzt: Mit ALIKE, MOIA und HOLON in die Mobilität von morgen
Während sich HEAT noch eng am klassischen Busverkehr orientierte, ist das mit mehr als 25 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium geförderte und im Oktober 2023 gestartet Projekt ALIKE eher auf die Etablierung von sogenannten Ridepooling-Diensten mit autonomen Fahrzeugen ausgerichtet. „Hamburg ist in Europa Vorreiter für das autonome Fahren. Ziel ist es, mit dem Bund, unseren Partnern und der Industrie eng zusammen zu arbeiten und dadurch erstmals in der EU Fahrzeuge in den Betrieb zu bringen, die vollständig autonom fahren können. Dies ist die Voraussetzung für die Inbetriebnahme größerer Flotten und für Europa eine sehr wichtige industriepolitische Frage“, erläutert Anjes Tjarks, der sich als Verkehrssenator für die Mobilitätswende in Hamburg verantwortlich zeichnet.
Einer der Konsortialpartner ist der Beförderungsdienst MOIA, der seine Flotte Mitte 2025 um 25 autonom agierende Fahrzeuge erweitert hat. Nach einer Testphase sollen noch in diesem Jahr in zwei Hamburger Stadtteilen bis zu vier Passagiere in den fahrerlosen Kleinbussen vom Typ ID Buzz AD kutschiert werden. Möglich macht dies nicht zuletzt das Self-Driving-System des Technologieunternehmens Mobileye. Dies ist auch Herzstück des HOLON Mover. Als eigenständige Marke innerhalb der Benteler-Gruppe engagiert sich HOLON intensiv im Bereich der Konzeptionierung und Produktion von autonomen Transportfahrzeugen. Der Anfang des Jahres 2023 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellte Kleinbus Mover bietet Platz für bis zu 15 Personen und ist zudem barrierefrei gestaltet. Akustische und visuelle Systeme, ein gesicherter Rollstuhlplatz und eine automatische Rampe sorgen dafür, dass auch Menschen mit körperlichen Behinderungen und anderen Einschränkungen das Mobilitätsangebot nutzen können. Anders als die ID Buzz AD von MOIA werden die HOLON-Kleinbusse von der Hamburger Hochbahn AG betrieben.
Nächste Etappe: Passagierbetrieb
Als Reallabor dient ein 37 Quadratkilometer großes Areal mitten in der Elbmetropole. Neben den zirka 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind hier tagtäglich auch tausende Berufstätige und Touristen unterwegs. Im Rahmen der ersten Testphase werden bis Jahresende zunächst die grundlegenden Funktionen erprobt, ehe der Mover zunehmend eigenständig agieren soll. Verläuft alles nach Plan, können 2026 die ersten Passagiere befördert werden. „Mit autonomen Kleinbussen wie dem von HOLON wollen wir den ÖPNV für die Fahrgäste noch effizienter, noch flexibler und dadurch noch attraktiver machen“, blickt Verkehrssenator Tjarks erwartungsfroh in die Zukunft. „Die Ankunft des neuen Fahrzeugs und die ersten Fahrten auf Hamburgs Straßen sind ein weiterer Meilenstein.”
> Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Drones, dem Magazin für die Drone-Economy. www.drones-magazin.de