Wissenschaftliches Arbeiten mit dem Ziel einer kommerziellen Nutzung der gewonnenen Erkenntnisse. Das ist die wesentliche Aufgabe der 1949 gegründeten „Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V.”. Ob aus dem Leitprojekt Albacopter eine wirtschaftlich skalierbare Lösung erwachsen wird, muss die Zukunft zwar erst noch zeigen. Der Jungfernflug des Experimental-VTOL-Gliders im Sommer 2025 ist zumindest schon einmal geglückt.
In den sogenannten Leitprojekten der Fraunhofer-Gesellschaft bündeln mehrere Fraunhofer-Institute ihre Kompetenzen und binden gegebenenfalls auch Industriepartner frühzeitig ein. Das übergeordnete Ziel ist es, wissenschaftlich originäre Ideen schnell in marktfähige Produkte umzusetzen. So sollen auf Basis praxisorientierter Forschung konkrete Lösungen entwickelt werden, die an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert sind. Und die somit letztlich dem gesamten Standort Deutschland zugutekommen.
Energieeffizient und nachhaltig
In das 2021 gestartete Albacopter-Projekt unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI bringen insgesamt sechs Einrichtungen aus der „Fraunhofer-Familie“ ihr Know-how ein. Durch die Bündelung der Expertise aus verschiedenen Forschungsrichtungen soll ein besonders energieeffizientes Flugsystem für den nachhaltigen Transport von Waren, Gütern und Personen in (dicht) besiedelten Gebieten entstehen. Stichwort: Urban Air Mobility. „Mit dem Albacopter soll ein Experimentalfluggerät entwickelt werden, das die Manövrierfähigkeit des Multikopters mit der Fähigkeit des Albatros paart, über große Distanzen mit minimalem Energieaufwand segeln zu können“, erklärte Prof. Matthias Klingner anlässlich der IAA Mobility im Jahr 2023. „Herausragende Besonderheiten des Experimental-VTOL-Gliders sind Drohnenflugkörper und Frachtcontainer aus nachhaltigen Materialien, leistungsdichte Koaxialantriebseinheiten, leistungsstarke Multisensorsysteme zur Umfeldwahrnehmung und Funktionsüberwachung sowie ausfallsichere Bordelektronik mit KI-basiertem Autopilot“, führte Klingner, bis 2024 Leiter des Fraunhofer IVI, weiter aus.
Dem Grundgedanken der „angewandten Wissenschaften“ folgend, werden mit dem Albacopter-Projekt ganz wesentliche Herausforderungen adressiert, die mit der Etablierung von UAM-Services verbunden sind. Eine Besonderheit des interdisziplinären Ansatzes ist es, dass der Albacopter gleichzeitig Versuchsträger und Forschungsgegenstand ist. Denn die speziell entwickelten Teilkomponenten sind zum einen die Grundlage für das Gesamtsystem. Für sich genommen stellen sie jedoch ihrerseits einen praxisnahen technologischen Fortschritt dar, der sich auf andere Teilbereiche der Luft- und Raumfahrt übertragen lässt.
Gelungene Premiere
Nach Schwebe- und Flugexperimenten, bei denen der Albacopter in Version 0.5 mit einer Spannweite von 7 Metern – noch an einem Kran gesichert – zeigen konnte, wie die in vier Jahren entwickelten Einzelkomponenten im Zusammenspiel funktionieren, erfolgte der mit Spannung erwartete Jungfernflug im Nationalen Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. „Wir haben mit dem Albacopter ein konzeptionell neuartiges, teilautonomes Fluggerät für den Lastentransport entwickelt“, zog Operation Manager Martin Leuner vom Fraunhofer IVI zufrieden Bilanz und betonte den hohen Innovationsgrad des Albacopters. „Die weit überwiegende Mehrzahl seiner Komponenten und seine Elektronik sind keine Bauteile und Programmierungen von der Stange, sondern Entwicklungen der Fraunhofer-Institute.”
> Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Drones, dem Magazin für die Drone-Economy. www.drones-magazin.de