Welche Herausforderungen gibt es aktuell am Markt hinsichtlich der Produktion von Lösungen im Bereich der Drohnendetektion und -abwehr?
Jochen Geiser: Eine der größten Herausforderungen ist die enorme Dynamik im zivilen Drohnenmarkt. Neue Drohnenmodelle mit geringer Signatur, hoher Autonomie und komplexem Flugverhalten erscheinen beinahe im Monatsrhythmus. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an die Zulässigkeit und Nachvollziehbarkeit von Detektion und Abwehrmaßnahmen – gerade in kritischen Infrastrukturen. Hinzu kommen externe Faktoren wie Komponentenknappheit und geopolitische Unsicherheiten, die sich auf Lieferketten auswirken.
Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen und was ist das Besondere an Ihren Lösungen?
Gerd Kupferer: Unsere Antwort liegt in Modularität, Interoperabilität und echter Systemoffenheit. Wir entwickeln ein vernetztes Sicherheitsökosystem, das skalierbar ist – vom Werksgelände bis hin zum urbanen Raum. Was uns ausmacht ist, dass alle eingesetzten Komponenten, egal ob Radarsensor, Funkpeiler oder Abwehrmittel, intelligent verknüpft und situationsabhängig bewertet werden. Und das mit einer klaren Bedienoberfläche, damit der Mensch in der Entscheidungsfindung nie den Überblick verliert.
Ihr Multilayer-C-UAS-System mit KI-Fusion Engine klingt innovativ. Was macht es gegenüber Konkurrenzprodukten besonders?
Jochen Geiser: Der Multilayer-Ansatz bedeutet für uns nicht nur eine Kombination verschiedener Sensoren und Effektoren, sondern auch eine intelligente Gewichtung und Analyse durch unsere KI-gestützte Fusion Engine: Die einzelnen Systeme fusionieren – sie verschmelzen also zu einem perfekt aufeinander abgestimmten Gesamtsystem und ermitteln je nach Bedrohungslage die bestmögliche und sicherste Schutz- und Abwehrmaßnahme. So können wir Fehlalarme drastisch reduzieren und gleichzeitig die Klassifikation der Bedrohungsszenarien erheblich verbessern.
Ein weiterer Unterschied: Unsere Systeme sind vollständig "Made in Germany", was für viele unserer Kunden im sicherheitskritischen Umfeld ein entscheidender Faktor ist – sowohl technisch als auch regulatorisch.
Herzstück Ihres Drohnensicherheitssystems ist das SecuriDrone Perimeter-Management-System. Was hat es damit genau auf sich?
Gerd Kupferer: Das SecuriDrone Perimeter-Management-System ist mehr als ein Lagebildsystem. Es ist unser zentrales Nervensystem und steht für eine neue Generation bedienfreundlicher, hoch performanter Sicherheitssteuerungen. Hier laufen sämtliche Datenströme zusammen und werden in Echtzeit analysiert. Einzigartig ist vor allem die einfache Usability: Die Oberfläche ist intuitiv gestaltet, sodass auch komplexe Multisensor-Lagen schnell erfasst und gesteuert werden können – ganz gleich, ob an einem oder über mehrere Standorte verteilt. Hinzu kommt die volle Systemunabhängigkeit – unsere Lösung lässt sich flexibel mit unterschiedlichsten Sensoren und Effektoren kombinieren. Besonders leistungsstark wird das System durch unser KI-basiertes Loadbalancing: Mehrere Bedrohungsszenarien, etwa durch parallele Drohnenangriffe, können simultan priorisiert und abgewehrt werden – für maximale Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit in Echtzeit.
KI ist aus dem Drohnen-Sektor kaum noch wegzudenken. Inwieweit kommt KI bei Ihren Produkten zum Einsatz?
Jochen Geiser: Wir nutzen KI primär zur Mustererkennung, Objektklassifikation und zur automatisierten Entscheidungsunterstützung. Das beginnt bei der Detektion – etwa der Unterscheidung zwischen Vogel und Drohne aber auch Freund und Feind – und geht bis zur situationsangepassten Empfehlung von Abwehrmaßnahmen. Darüber hinaus setzen wir auf lernende Systeme, die durch jede neue Bedrohung intelligenter werden. Natürlich geschieht das immer unter Berücksichtigung von Datenschutz und regulatorischer Konformität.
Der Markt rund um den Einsatz von Drohnen entwickelt sich aktuell rasant. Arbeiten Sie bereits an neuen Produkten?
Gerd Kupferer: Absolut. Wir sehen eine starke Nachfrage nach flexiblen, mobilen Lösungen – vor allem für temporäre Einsätze bei Großveranstaltungen, in kritischen Lagen oder zum Schutz besonders sensibler Bereiche. Aktuell arbeiten wir an einer mobilen C-UAS-Einheit auf Basis eines Pick-up Raptors. Das Fahrzeug dient als hochmobile Plattform und kann modular mit verschiedenen Sensoren und Effektoren ausgestattet werden – je nach Bedrohungslage und Einsatzszenario. Dadurch sind wir in der Lage, an jedem Ort innerhalb kürzester Zeit eine wirksame Drohnenabwehr aufzubauen – ohne lange Vorlaufzeiten und mit maximaler operativer Flexibilität.
Parallel investieren wir stark in robotikgestützte Sicherheitslösungen – zum Beispiel autonome Patrouillenfahrzeuge, die nahtlos mit unserer Drohnendetektion kommunizieren können. Die Grenzen zwischen Boden- und Luftraumsicherheit verschwimmen zunehmend.
Nach dem großen Erfolg der XPONENTIAL Europe 2025 - Planen Sie auch im nächsten Jahr zurück nach Düsseldorf zu kommen?
Jochen Geiser: Die XPONENTIAL Europe ist eine wichtige Plattform, um mit Kunden, Partnern und Innovatoren aus ganz Europa in den Dialog zu treten. Der fachliche Austausch auf Augenhöhe ist einmalig – und genau das brauchen wir, um unsere Lösungen konsequent weiterzuentwickeln.
Interview: Sonja Buske